Als der Tanz zum Sport wurde

Der Gesellschaftstanz als soziale Konvention bekam eine sportliche Komponente, als Anfang des 20. Jahrhundert der französische Unternehmer Camille de Rhynal mit einer Gruppe ausgezeichneter Tänzer das erste mal Ballsäle in Turnierflächen verwandelten und Bewerbe abhielten.

Das erste Tango-Turnier mit internationaler Teilnahme fand in 1907 Nizza statt, bald folgten weitere Meisterschaften in Paris, Berlin und London. Frankreich, Deutschland und England übernahmen die Führung in der Entwicklung der neuen Sportart, die perfekt in die „wilden“ 20er Jahre passte. Die erste echte Weltmeisterschaft wurde 1936 in Bad Nauheim in Deutschland ausgerichtet, mit teilnehmenden Paare aus 15 Nationen und drei Kontinenten. Obwohl die Entwicklung des TanzSport durch den dann folgenden 2. Weltkrieg eine Zeit lang stagnierte, war ein neuer Sport geschaffen, der mit den Herausforderungen der Jahrzehnte Schritt halten sollte.

Die erste offizielle Weltmeisterschaft nach dem 2. Weltkrieg wurde 1959 in London über 8 Einzeltänze ausgetragen. Die mehrfachen österreichischen Staatsmeister, Gerhard und Minnerl Sandner, brachten mit Rumba, Samba, Paso Doble und Wiener Walzer 4 Weltmeistertitel heim. Zur Erinnerung wird jährlich der ‚Minnerl Sandner Gedächtnis-Pokal‘ an die Dame des Latein-Staatsmeisterpaares vergeben.

TanzSport heute

Der TanzSport in seiner jetzigen Struktur wurde in den 80er Jahren geformt, der Weltverband und die jeweiligen nationalen Verbände in zahlreichen Staaten auf der ganzen Welt haben sich die Förderung und Weiterentwicklung zur Aufgabe gemacht. In Österreich ist der TanzSport auf Basis von Vereinen organisiert, zahlreiche Funktionäre und Betreuer leisten ihre Arbeit in diesem Bereich ehrenamtlich aus Liebe zu ihrem Sport.

TanzSport ist Bewegung in und mit der Musik und verbindet sportliche Betätigung mit künstlerischer Ausdruckskraft. Er ist außerdem eine olympisch anerkannte Sportart, fördert als Freizeitsport in der Gesellschaft die Freude an der Bewegung und erzielt als Leistungssport für Österreich internationale Erfolge.

Neben den „klassischen“ Disziplinen Standard und Latein, zählen mittlerweile noch andere Tanzsparten zum TanzSport im weiteren Sinne. Diese Seite beschäftigt sich allerdings mit der klassischen Variante des TanzSports und verweist am Seitenende auf weitere Verbände anderer Disziplinen.

Bewertungskriterien

Tanzen ist keine Sportart, die eindeutig gemessen werden kann, sie wird stattdessen nach bestimmten Kriterien möglichst objektiv bewertet. Um das möglichst fair zu gestalten, findet man bei jedem Turnier mindestens fünf sogenannte Wertungsrichter, die an Hand der Bewertungskriterien die Leistungen der Paare in den einzelnen Tänzen vergleichend bewerten. Die Wertung erfolgt nach Priorität in dieser Reihenfolge:

  1. Musik (Takt, Rhythmus, Musikalität)
  2. Balance (statisch / dynamisch & Führung)
  3. Bewegungsablauf (im Raum, im Verlauf einer Energieeinheit, von Bewegungselementen)
  4. Charakteristik (Darstellungsform der verschiedenen Tänze, Umsetzung der Charakteristik, Persönliche Interpretation als Ausdrucksmittel)

Alters- und Leistungsklassen

Wie in vielen anderen Sportarten auch, finden sich auch im TanzSport unterschiedliche Altersklassen. Bis 11 Jahre tanzt man in der Kategorie „Schüler“, dann folgt die Kategorie „Junioren“ (aufgeteilt in I & II), ab 16 Jahren starten die Tänzerinnen und Tänzer in der Jugend-Klasse, sobald sie 18 werden, ist nur mehr die Allgemeine Klasse möglich. Ab 15 Jahren ist ein Parallelstart in der Allgemeinen Klasse möglich. Die Einteilung richtet sich jeweils nach dem Jahrgang des älteren Partners. In den Seniorenklassen (I bis IV) dürfen Paare ab 30 Jahren, nach Alter gestaffelt starten, die Startklasse der ältesten Tänzer ist für über 65-jährige gedacht – Tanzen ist also wirklich ein Sport für Jung und Alt.

Neben den sehr einleuchtenden Alterskategorien gibt es im TanzSport auch unterschiedliche Leistungsklassen, die ein bisschen komplizierter sind. Da die TanzSport-Technik sehr komplex und die Leistung nicht physikalisch messbar ist, hat es sich als sinnvoll erwiesen, Paare von ähnlichem Leistungsstand gegeneinander antreten zu lassen. Um den Start zu erleichtern und zu gewährleisten, dass Anfänger nicht körperlich überfordert werden, gelten außerdem für die Einstiegsklassen bestimmte Einschränkungen für die Choreographien.

Theoretisch folgt das System dem Alphabet: die unterste Klasse ist die D-Klasse, dann folgen C, B, A – dann allerdings folgt die sogenannte „Sonderklasse“, also S-Klasse, in der die besten Paare tanzen. Um von einer Klasse in die nächste aufzusteigen, sammeln die Paare Turnierstarts und Aufstiegspunkte, die bei den Bewerben je nach Platzierung vergeben werden.

Da auch in der untersten Klasse bereits viel Technik verwendet wird und ein Anfänger lange trainieren muss, um dort mithalten zu können, hat man Breitensportklassen (pro Alterskategorie) eingeführt, wo die Konkurrenz noch nicht so stark ist. So können sich neue Tänzerinnen und Tänzer schon relativ bald in einem Bewerb messen, was meist gut für die Motivation ist. In den Breitensportklassen werden keine Punkte vergeben, wann ein Paar bereit ist, in die „echten“ D-Klasse zu wechseln ist meist eine gemeinsame Entscheidung von Paar und Trainer/in.