Standardtänze wurden ursprünglich alle Gesellschaftstänze genannt. Mittlerweile ist es ein Sammelbegriff für den Langsamen Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep. Zusammen mit den Lateinamerikanischen Tänzen bilden die Standardtänze einen Teil des Welt-Tanzprogramms.
Standardtänze sind Bewegungstänze, bei denen die Tänzer sich raumgreifend, je nach Tanz mehr oder weniger schnell, fortbewegen. Dabei ist der Tango ein Schreittanz, die anderen Tänze werden als Schwungtänze bezeichnet. Weiteres Merkmal der Standardtänze ist der Körperkontakt, durch den die Tanzpartner ohne Unterbrechung verbunden bleiben.
Der Körperkontakt in den Standardtänzen erfordert ein hohes Maß an Balance, Haltung und wechselseitiger Führung. Bewegung, Balance und Haltung sorgen dann für einen harmonischen Bewegungsfluss der Paare. Der Herr führt: Er tanzt häufiger vorwärts und überblickt die Tanzfläche und damit die Figurenfolge. Führen bedeutet, den Körper mit seinen stabilen Kontaktflächen durch Verlagern des Körperschwerpunkts in der Vorwärtsbewegung entschlossen einzusetzen. Auf die Aktion des Herrn folgen unmittelbar die Reaktion der Dame und insgesamt eine harmonische abgestimmte Aktion des Paares.
Langsamer Walzer
Der Langsame Walzer ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 3/4-Takt und wird mit einem Tempo von 28 – 30 Takten pro Minute getanzt.
Um 1870 entwickelte sich in den USA eine sanftere Form des Wiener Walzers, der unter dem Namen Boston bekannt wurde. Diese Version behielt die für den Wiener Walzer charakteristischen drehenden Figuren bei, wurde aber zu einem langsameren Tempo getanzt. Um 1920 entwickelte sich daraus in England der Langsame Walzer, der wegen seiner Herkunft auch English Waltz genannt wird. Andere Quellen geben allerdings auch den österreichischen Landler als „Urvater“ des Langsamen Walzers an. Die linearen Bewegungen des Boston verwandelten sich im Laufe der Entwicklung in raumgreifende Drehungen, in denen das Paar wie ein Pendel von Höhepunkt zu Höhepunkt schwingt. Der Langsame Walzer gilt als der schwierigste Standardtanz und ist auch der meistgeübte. Das weiche Ein- und Ausschwingen zur schmelzenden Musik klassischer Waltz-Melodien macht ihn zum „Tanz des Herzens“.
Der Langsame Walzer ist seit 1963 Bestandteil des Welttanzprogramms. Er gilt als der harmonischste Standardtanz und wird auf jedem Standardturnier als erster Tanz gewertet.
Tango
Der Tango ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 2/4-Takt oder auch 4/4 Takt und wird mit einem Tempo von 31 – 33 Takten püro Minute getanzt. Er ist einer der fünf Standardtänze, Bestandteil des Welt-Tanzprogramms und weltweit verbreitet.
Der ursprüngliche Tango kommt aus Argentinien und Uruguay und kam um 1910 nach Europa. Reisende der oberen gesellschaftlichen Klassen brachten von ihren Reisen nach Buenos Aires in Argentinien den Tango Argentino nach Paris. Die dortige konservative Oberschicht empfand den Tanz als „wild“ und „anstößig“ und wollte eine weitere Verbreitung verhindern. Britische Choreografen nahmen sich schließlich des Tango Argentino an und passten ihn stilistisch den gesellschaftlich akzeptierten Standardtänzen an. Das Ergebnis war der Internationale Tango, der seitdem keine wesentlichen Veränderungen mehr erfahren hat. Zwischen 1910 und 1916 trugen Vernon und Irene Castle mit ihrer Tanzschule in New York City maßgeblich zur Entwicklung und Verbreitung des Internationalen Tango bei. Bis1960 wurde der Tango zu den Lateinamerikanischen Tänzen gerechnet, 1963 wurde er als Standardtanz in das Welt-Tanzprogramm aufgenommen.
Der Tango ist geprägt vom Wechsel zwischen Aktion und Pause. Die „ruckartigen Aktionen“ (von knappen und schnellen Kopfbewegungen begleitete Schritte) werden im Knie weich abgefangen, was dem Tango das Doppelgesicht verhaltener Leidenschaftlichkeit gibt. Die gehaltenen Pausen verhindern Körperschwung und damit verbundene Hebungen und Neigungen. Die Haltung ist im Tango als Schreittanz eine andere als in den vier anderen Standardtänzen, den Schwungtänzen. Der Herr führt die Dame in erster Linie mit seinem Körper, d.h. mit dem rechten Teil des Brustkorbs und dem Becken bis hinunter zum Knie. Die Arme dienen dazu, der Dame einen Rahmen zu geben, in dem sie sich bewegen kann. Da häufig von einer geschlossen Haltung in eine Promenadenposition gewechselt wird, steht die Dame weiter links im Arm des Herrn. Diese Haltung ermöglicht ein leichtes Wechseln in eine Promenadenposition. Führungsimpulse werden zusätzlich auch mit den Knien durchgeführt. Im Gegensatz zu den anderen Standardtänzen ist der Tango kein Schwung-, sondern ein Schreittanz. Es findet also kein Heben und Senken statt. Der Körper verweilt in einer Höhe und wird eben über das Parkett transportiert.
Wiener Walzer
Der Wiener Walzer ist ein Gesellschafts- und Turnieranz im 3/4-Takt und wird in einem Tempo von 58 – 60 Takten pro Minute getanzt.
Der Walzer, zur Unterscheidung vom Langsamen Walzer (English Waltz) und dem Französischen Walzer meist Wiener Walzer genannt, ist der älteste der modernen bürgerlichen Gesellschaftstänze. Er wird in den 1770er Jahren erstmals in Alt-Wiener Volkskomödien erwähnt und wurde vor der Französischen Revolution berühmt, weil er das aristokratische Menuett als maßgebenden Gesellschaftstanz verdrängte.
Der Walzer war zunächst wegen Unzüchtigkeit (z. B. weil die Fußknöchel der Damen sichtbar waren), aber vor allem wegen der ständigen Berührung der Paare, verpönt. Offizielle Akzeptanz und sogar Beliebtheit gewann er durch den Wiener Kongress 1814/15. Die berühmten Musikstücke von Josef Lanner, Johann Strauß (Vater) und Johann Strauß (Sohn) machten ihn zu einer respektierten musikalischen Gattung. In der Wiener Operette gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand der Walzer stets im Zentrum. Er wurde zunächst sehr schnell getanzt und bekam erst im Lauf der Zeit seine heutige „schwebende“ Form.
Die Technik des Wiener Walzer entsprang zunächst der Ballett-Technik, hat sich aber im Laufe der Zeit stark verändert und ist heute – wie bei allen Standardtänzen – sehr anspruchsvoll. Die hohe Geschwindigkeit und die ständige Drehbewegung machen den Wiener Walzer zu einem sehr anstrengenden Tanz. Wie für nichtstationäre Tänze des Welttanzprogramms üblich, bewegt sich das Tanzpaar beim Wiener Walzer entgegen dem Uhrzeigersinn um die Tanzfläche.
Da sich das Paar schnell im Raum fortbewegt, entspricht die Bewegung eines Partners einer zyklischen Kurve. Dabei wird beim sich vorwärts bewegenden Tanzpartner eine große Strecke (aktiver Part) und beim rückwärtigen Teil eine viel geringere Strecke zurückgelegt (passiver Part). Herr und Dame wechseln sich ständig in diesen Zyklen ab. Im Gegensatz zum Langsamen Walzer findet kein Heben und Senken im Fuß statt. Lediglich der Körper und die Beine strecken sich, die Knie bleiben jederzeit flexibel.
Seit 1970 ist der Wiener Walzer Teil des Welt-Tanzprogramms.
Slowfox
Slowfox (auch Slow Foxtrott) ist ein Standardtanz im 4/4-Takt, der in einem Tempo von 28 – 30 Takten pro Minute getanzt wird.
Der Slow Foxtrott entstand um 1900 aus dem Ragtime und amerikanischer Marschmusik und entwickelte sich zum Klassiker unter den „englischen Tänzen“. Die linearen Schrittmuster, auf natürlicher Gehbewegung basierend, wirken bei kunstvoller musikalischer Interpretation und lässigem Understatement faszinierend. Dem kontinuierlichen Bewegungsfluß entsprechend, sind fließende Posen besonders „foxy“. Da der Slowfox sowohl technisch als auch musikalisch sehr anspruchsvoll ist, wird er als einer der fünf Standardtänze weltweit auf Standardturnieren erst ab höheren Startklassen getanzt (bei Turnieren des ÖTSV ab der C-Klasse).
Der Slowfox ist ein typisch englischer Standardtanz. Er wird charakterisiert durch fließende, raumgreifende, weiche Bewegungen und verkörpert von allen Standardtänzen am besten das englische Understatement. Charakteristisch ist die sehr ruhige und angespannte Haltung. Drehungen werden nur sparsam eingesetzt, da sie die fortlaufende Bewegung des Paares unterbrechen und nicht der Charakteristik des Tanzes entsprechen.
Im Gegensatz zu den Schwungtänzen Langsamer Walzer und Quickstep wird im Slowfox weniger aus dem Knie, sondern mehr aus den Füßen gehoben. Die Dame tanzt vermehrt Fersendrehungen, und bei Rückwärtsschritten wird die Ferse über den Boden abgezogen. Da dies ein Heben auch im Fuß unmöglich macht, muss die Hebung des sich vorwärts bewegenden Partners im Körper ausgeglichen werden.
Quickstep
Der Quickstep ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 4/4-Takt und wird mit einem Tempo von 50 – 52 Takten pro Minute getanzt.
Dieser Tanz gehört zu den afroamerikanischen Tänzen und wird den Standardtänzen zugeordnet. Entstanden ist der Quickstep in Nordamerika um 1910, als parallel zum Onestep das Tempo des Foxtrotts beschleunigt wurde. 1914 kam der Quickstep nach England (1915 gab es den ersten Foxtrott-Ball), dann 1918 nach Deutschland, und hat seither viele Wandlungen durchgemacht. 1920 erfolgte die Ordnung des Schrittmaterials, die anfänglich komplizierten Tanzfiguren wurden bereinigt. Bald übernahm der Foxtrott jedoch Bestandteile anderer Modetänze, die bleibende Spuren hinterließen, sodass 1923 eine fließende Bewegung an die Stelle eines marschartigen Tanzes getreten war. Das Tanztempo wurde immer schneller. Schließlich trennte man 1924 die schnelle von der langsamen Form und nannte sie Slowfox bzw. Quicktime Foxtrott oder Charleston.1927 bekam der Foxtrott seine eigentliche Form als Quickstep. Seit 1927 wird er auch in Europa getanzt, seit 1928 ist er Turniertanz und seit 1963 im Welt-Tanzprogramm aufgenommen.
Im Gegensatz zum Langsamen Walzer, mit dem ihn geschlossene Drehungen und Chasses verbinden, ist der Quickstep dadurch charakterisiert, dass die Körpergeschwindigkeit bei Slow fast die gleiche ist wie bei Quick oder bei besonders schnellen Schrittfolgen. In der Familie der Standardtänze gilt er als „der Champagner unter den Tänzen“: perlend in seinen langgestreckten Bewegungen und spritzig in seinen Hüpfschritten.
Der Quickstep wird als einer der fünf Standardtänze weltweit auf jedem Standardturnier als letzter getanzt.
